Wie aus Willi Pütz „Schang“ wurde

Fragt man in Bliesheim, in Erftstadt und Umgebung nach Willi Pütz, ist diese Person meist völlig unbekannt. Etwas verwirrt über die Unkenntnis der Befragten entsinnt man sich, irgendwann einmal den Namen „Schang“ gehört zu haben.Dabei stellt sich dann heraus, dass es sich bei Willi Pütz und Schang um ein und dieselbe Person handelt.Das wirft natürlich die Frage auf, wie kommt man an solch einen Namen.

Immer wieder stellt man Willi „Schang“ Pütz diese Frage und schmunzelnd erzählt er dann folgende Geschichte:

„Es war etwa im Jahr 1954, als ich die sechste Klasse der Volksschule in Bliesheim besuchte. Zu den damaligen Lehrkräften gehörte eine schon etwas ältere Lehrerin mit Namen Opitz. Diese Frau Opitz war eine glühende Englandverehrerin, die immerzu das Bedürfnis verspürte, möglichst vielen Schülern die englische Sprache zu lehren.
Da es in der damaligen Zeit nicht üblich war, in der Volksschule in der englischen Sprache unterrichtet zu werden, kam es mir äußerst gelegen, bei Frau Opitz mit einigen anderen Schülerinnen und Schülern der Abschlussklassen auf freiwilliger Basis Englischunterricht zu erhalten.
Aber schon damals war meine Freizeit so knapp bemessen, dass es mir nicht immer gelang, die uns auferlegten Hausaufgaben zu erledigen. So kam mir dann beim Vortragen von Übungsarbeiten die eine oder andere Lektion „spanisch“ vor. Aber wozu hat man denn Freunde.
In der Schulbank hinter mir saßen mit Heinz Gäntgen und Adolf Vasbender zwei dieser kostbaren Geschöpfe. Immer wieder halfen sie mir durch Vorsagen aus der Patsche, wenn ich wieder einmal nicht gelernt hatte.
Doch an einem Tag hat die beiden dann der Teufel geritten. Ich musste eine Lektion von einem Busschaffner vorlesen, der einem Fahrgast eine Fahrkarte verkauft. Nach dem Erhalt der Fahrkarte bedankt sich der Fahrgast beim Schaffner mit den Worten: „Thank Conductor“. Doch statt "Thank Conductor" flüsterten die beiden mir dann: „Schang Conductor“ ins Ohr, was ich auch prompt zum Besten gab.“
Der Erfolg war überwältigend und die Lacher auf der Seite der Vorsager. Mit der Zeit fiel das Wort „Conductor“ der Bequemlichkeit zum Opfer. Der Spitzname „Schang“ jedoch hat sich hartnäckig über fast 50 Jahre erhalten. Fast alle meine Verwandten, Bekannten, Freunde und sogar meine Arbeitskollegen sprechen mich mit Schang an, und da ich mich in all den Jahren daran gewöhnt habe, soll es auch so bleiben.